Geocaching mit dem iPhone: Die Geocaching-Applikation von Groundspeak
Manchmal kommen die guten Dinge ja ganz unverhofft. Mein Arbeitgeber war so nett, mir ein neues Mobiltelefon zu stellen: Ein iPhone 3G. Aus eigenem Antrieb hätte ich mir das Gerät wohl nie angeschafft aber wenn man schon mal so ein schickes Telefon in die Hand gedrückt bekommt, dann lädt das natürlich zum Spielen ein. Was liegt da näher als die Tauglichkeit des Gerätes in Bezug auf Geocaching unter die Lupe zu nehmen und Groundspeaks Geocaching Applikation zu testen.
Groundspeak bietet seit dem ersten Oktober “Geocaching” im iTunes-Store an, eine Applikation für das iPhone und den iPod touch. Stolze 7,99€ werden für die 0,7MB große Anwendung verlangt. Im Vergleich zu anderen verfügbaren Anwendungen wie Geopher Lite (1,59€) befindet man sich damit im oberen Preissegment und das leider nicht zu Recht.
Zunächst einmal, was kann die aktuelle Version 1.0:
- Auflistung von maximal 20 Caches in der näheren Umgebung auf Basis der GPS-Ortung sowie Suche nach Adresse
- Anzeige von Cachebeschreibungen, Hints und Trackables im Cache sowie den letzten Logs
- Darstellung der Cachekoordinaten in einer Googlemap (Applikation wird dafür verlassen)
- Navigation zu den Cachekoordinaten über eine Kompassdarstellung
- Suche nach Trackables und Anzeige der Detailinformationen wie dem Ziel
- Für den Fall, dass man nicht ständigen Onlinezugriff hat, Speichern von Caches in einer Art Zwischenablage
Am Anfang war ich ganz angetan vom Aufbau und der Funktionalität der Software. Schnell wurde aber klar, dass hier noch massiv nachgebessert werden muss. Einerseits fehlen wichtige Funktionalitäten, andererseits vermiesen einige Bugs den Spaß.
Startet man das Programm, so wird sofort die aktuelle Position bestimmt und eine Liste der nächstgelegenen Caches angezeigt. In der Voreinstellung sind dies ausschließlich Traditionals. Das lässt sich jedoch einfach in den Optionen umstellen. Die ermittelten Caches werden übersichtlich und gut strukturiert in einer Liste dargestellt. Leider sind das jedoch alle Caches in der Umgebung. Eine Möglichkeit sich mit seinem Account einzuloggen, um damit bereits gefundene Caches herauszufiltern o.ä., gibt es bisher nicht. Ein nicht unerhebliches Manko.
In der Detaildarstellung eines jeden Caches sind über weitere Menüpunkte die Cachebeschreibung, Hints, Trackables und die letzten Logs aufrufbar. Zusätzlich kann jeder Cache abgespeichert, in einer Google-Map dargestellt und angesteuert werden. Das Laden und die Darstellung der Cachedaten läuft schnell und komfortabel, insgesamt deutlich angenehmer als über den Browser des iPhone.
Prinzipiell werden mit HTML formatierte Beschreibungen angezeigt, zurzeit macht das Programm dabei aber sehr viele Fehler. Der wichtigste ist dabei wohl, dass man ab einer gewissen Stelle nicht mehr weiter nach unten scrollen kann – die Beschreibung also nicht komplett lesen kann. Da bleibt dann nur die Originalbeschreibung über den Browser des iPhone aufzurufen. Dieser Fehler trat bei mir bei jedem zweiten Cache auf.
Ein theoretisch nützliches Feature ist das Abspeichern von Caches in einer Zwischenablage. Praktisch hakt es aber auch hier. Die Software hat Probleme mit der Verarbeitung von Umlauten und einigen anderen Zeichen. Diese werden nach dem Abspeichern durch kryptische Sonderzeichen dargestellt, die das Lesen der Texte und Formeln deutlich erschweren.
Das letzte zentrale Feature ist die Navigation. Prinzipiell scheint diese auch zu funktionieren. Bei meinen Versuchen erwies sich das GPS-Modul des iPhone 3G aber als so langsam und ungenau, dass es meiner Meinung nach nur für sehr einfache Caches mit eindeutiger Beschreibung taugt. Die Aktualisierung des Richtungspfeils sowie der Entfernungsangabe erfolgte bei meinen Versuchen enorm träge. Maximal alle 20 Sekunden tat sich mal etwas Neues auf dem Screen. Damit fällt dieser Anwendungsbereich für mich nahezu völlig raus. Das gezeigte Verhalten scheint aber ein Problem des iPhone und weniger der Software zu sein. Mit dem Konkurrenzprodukt Geopher Lite musste ich die gleiche Erfahrung machen. Ganz nebenbei sei noch erwähnt, dass sich die Anzeige der Einheiten trotz expliziter Auswahl im Optionsmenü nicht auf das metrische Format ändern lässt.
Ein richtiges GPS-Gerät kann das iPhone erwartungsgemäß also nicht ersetzen. Für den spontanen Tradi auf Geschäftsreise dürfte es aber reichen.
Insgesamt ist der Funktionsumfang des Programms im Verhältnis zum Preis doch sehr gering. Zudem vermiesen einem die zahlreichen Fehler die Laune oder verhindern im Einzelfall die Nutzung sogar völlig. Neben der Behebung der vorhandenen Bugs würde ich mir für die nächste Version folgende Features wünschen, die den Preis dann auch rechtfertigen würden:
- Nutzung des eigenen User-Accounts, um gefundene Caches zu filtern
- Unterstützung von Bookmarklisten
- Unterstützung von Pocketqueries
- Unterstützung von zusätzlichen Wegpunkten bei Multi-Caches
- Navigation zu Additional Waypoints
- Navigation zu benutzerdefinierten Koordinaten
- Loggen von Caches und Trackables innerhalb der Applikation
- Notizfunktion, um die Anwendung für Notizen nicht verlassen zu müssen
- Taschenrechner
- Koordinatenumrechnung und ROT13-Dechiffrierung
Immerhin kündigt Groundspeak einige der Features bereits im iTunes-Store an:
Future updates will include logging geocache finds and filtering your hides and finds from Geocaching.com search results.
Ich bin gespannt wann und ob das Update kommt. Von GC.com wird einem in dieser Hinsicht ja auch regelmäßig eine gewisse Leidensfähigkeit abverlangt. Bis dahin sind Geopher Lite und iGCT sinnvolle und deutlich günstigere bzw. kostenlose Alternativen.
Update: iPhone: Groundspeaks Geocaching Version 1.1
Weitere Links zum Thema:
Geocaching.com – Groundspeak’s Geocaching iPhone Application
Geocaching-nrw.de – iGCT oder “Was kann das iPhone noch
iFUN.de – Geocaching: Schatzsuche mit dem iPhone
Maclife.de – Getestet: “Offizielle” Geocaching-Anwendung für das iPhone 3G
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